Heizen mit Strom: Möglichkeiten, Kosten und wann es sich lohnt

Heizen mit Strom: Ist eine elektrische Heizung sinnvoll?

Beim Heizen mit Strom scheiden sich die Geister. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie der Strom in Wärme umgewandelt wird und wo Sie heizen. Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Eine Elektroheizung wie die Infrarotheizung, der Konvektor oder die Nachtspeicherheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme.

Als einzige Heizung für einen unsanierten Altbau ist eine Stromheizung deshalb teuer. Sinnvoll ist sie dort, wo wenig Wärme gebraucht oder nur zeitweise geheizt wird: im gut gedämmten Neubau, im Bad, im Arbeitszimmer, als Zusatzheizung in der Übergangszeit und in Räumen, die selten genutzt werden. Dort zählen ihre Stärken: Sie ist günstig in der Anschaffung, braucht keinen Schornstein, keine Rohre und keine Wartung und liefert Wärme direkt nach dem Einschalten. In diesem Artikel finden Sie einen Überblick über alle Arten der Elektroheizung, die Kosten im Vergleich und die Regeln für den Einbau.

Wie funktioniert das Heizen mit Strom?

Die Technologie ist einfach: Fließt elektrischer Strom durch einen Leiter mit hohem Widerstand, erwärmt sich dieser. Nach diesem Prinzip arbeiten alle Stromdirektheizungen: Heizdraht, Heizfolie oder Heizstab wandeln die elektrische Energie fast vollständig in thermische Energie um. Der Wirkungsgrad liegt bei nahezu 100 Prozent, aus 1 kWh Strom wird rund 1 kWh Wärme. Die Wärme entsteht im Gerät selbst und geht direkt an den Raum, ohne Kessel und Rohrleitungen.

Wie sie den Raum erreicht, unterscheidet die Systeme. Eine Konvektionsheizung wie Konvektor, Öl-Radiator oder Heizlüfter erwärmt die Raumluft, die warme Luft steigt auf und verteilt sich durch Konvektion. Eine Infrarotheizung gibt dagegen Wärmestrahlung ab. Die Infrarotstrahlung erwärmt zuerst Wände, Möbel und Personen und erst über diese Flächen die Luft, ähnlich wie die Sonne.

Die Wärmepumpe nutzt den Strom, um Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser auf ein höheres Temperaturniveau zu bringen. Ein großer Teil ihrer Wärme stammt also aus der Umgebung. Sie heizt mit Strom, zählt aber nicht zu den Stromdirektheizungen.

Welche Elektroheizungen gibt es?

Welches System passt, hängt vom Raum ab und davon, wie oft Sie ihn heizen.

Infrarotheizung

Infrarotheizungen sind flache Paneele, die Sie an der Wand oder als Infrarot Deckenheizung montieren. Die Funktion ist einfach: Ein Heizelement bringt die Frontplatte auf eine Temperatur, bei der sie Strahlungswärme abgibt, die gedämmte Rückseite lenkt den Großteil der Wärme in den Raum.

Infrarot Deckenheizung

Weil die Strahlung Oberflächen und Personen direkt erwärmt, ist die Wärme kurz nach dem Einschalten spürbar. Es entsteht kaum Luftbewegung, dadurch wird weniger Staub aufgewirbelt als bei einem Heizkörper mit starker Konvektion. Viele Modelle hängen an der Steckdose, die Installation gelingt meist ohne Fachbetrieb. Neben schlichten Infrarot Heizkörpern gibt es Bild-, Glas- und Spiegelheizungen, die im Bad zugleich als Spiegel dienen.

Ein Thermostat schaltet das Paneel nur ein, wenn die Temperatur unter den eingestellten Wert fällt. Was das kostet, rechnen wir im Ratgeber zum Stromverbrauch einer Infrarotheizung an Beispielen vor.

Beliebte Infrarotheizungen

Infrarotstrahler

Infrarotstrahler sind die kompakte Bauform mit hoher Leistung. Eine Heizröhre hinter einem Reflektor richtet die Wärme gezielt auf einen Bereich, die bestrahlte Fläche ist kleiner als bei einem Paneel. Typische Orte für den Einsatz sind Bad, Wickeltisch, Werkstatt, Terrasse und der Freisitz einer Gaststätte. Weil die Strahler meist nur kurz laufen, bleiben die Stromkosten überschaubar.

Elektrische Fußbodenheizung

Bei der elektrischen Fußbodenheizung liegen statt Wasserrohren Heizmatten oder Heizkabel unter dem Bodenbelag. Sie wärmt den Boden gleichmäßig und eignet sich besonders für Bad und Küche. Je nach Modell hat sie 100 bis 200 Watt je Quadratmeter, eine Stunde unter Volllast kostet beim aktuellen Strompreis von 37 Cent also 3,7 bis 7,4 Cent je Quadratmeter. Weil ein Raumthermostat sie regelt und Flächen unter Möbeln oder der Badewanne frei bleiben, liegt der Verbrauch in der Praxis darunter.

Elektrische Fußbodenheizung Etherma

Konvektoren und Öl-Radiatoren

Konvektoren saugen kühle Luft unten an, erwärmen sie an Heizelementen und geben sie oben wieder ab. Öl-Radiatoren sehen aus wie klassische Rippenheizkörper, in ihrem Inneren erhitzt eine Heizpatrone eine Ölfüllung, die die Wärme speichert und langsam abgibt. Beide sind günstig und als mobile Geräte schnell aufgestellt. Sie erwärmen vor allem die Luft, die Wärme sammelt sich unter der Decke. Als Zusatzheizung für einen Raum taugen sie, als Heizung für eine ganze Wohnung nicht.

Heizlüfter

Ein Heizlüfter kombiniert Heizwendel und Ventilator. Er wärmt sofort, ist aber laut und wirbelt Staub auf. Typische Geräte haben 2.000 Watt, eine Stunde Betrieb kostet damit 74 Cent. Für kurze Zeit im Bad oder in der Werkstatt ist das vertretbar, als Dauerlösung nicht.

Heizlüfter in der Farbe Weiß

Nachtspeicherheizung

Nachtspeicherheizungen laden einen Speicherkern aus Schamotte oder Magnesit über Nacht mit Wärme auf und geben sie tagsüber ab. Günstige Nachtstromtarife bieten heute nur noch wenige Versorger an. Der Betrieb ist erlaubt, ein früher geplantes Verbot wurde wieder aufgehoben. Der größte Nachteil ist die Regelung: Die Wärme wird am Vortag geladen, egal wie kalt der nächste Tag wird. Eine Alternative sind moderne Flächenspeicherheizungen, die mit kleineren Speichern arbeiten und sich besser steuern lassen.

Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist die effizienteste Art, mit Strom zu heizen. In Bestandsgebäuden erreichen Luft-Wasser-Wärmepumpen laut einem mehrjährigen Feldtest des Fraunhofer ISE im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, Erdwärmepumpen von 4,3. Auch eine Klimaanlage mit Heizfunktion arbeitet nach diesem Prinzip, als Luft-Luft-Wärmepumpe. Dafür ist die Anschaffung deutlich teurer, und sie braucht eine Zentralheizung mit Heizkörpern oder Fußbodenheizung sowie einen Fachbetrieb für Planung und Einbau. Für einzelne Räume oder kurze Heizzeiten lohnt sich dieser Aufwand meist nicht.

Was kostet Heizen mit Strom im Vergleich zu Gas und Öl?

Für die Heizkosten zählt, was eine Kilowattstunde Wärme am Ende kostet. Die Tabelle rechnet mit Durchschnittspreisen von 2026: Strom und Gas laut BDEW (Stand August 2026), Heizöl bei rund 165 Euro je 100 Liter (Anfang Oktober 2026) und rund 10 kWh je Liter. Für Gas- und Ölheizung nehmen wir einen Nutzungsgrad von 90 Prozent an.

HeizsystemEnergiepreis pro kWhKosten je kWh Wärme
Stromdirektheizung (Infrarot, Konvektor, Radiator)37 Cent (Haushaltsstrom)rund 37 Cent
Luft-Wasser-Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl 3,4)rund 30 Cent (Wärmepumpenstrom)rund 9 Cent
Gasheizung11,9 Centrund 13 Cent
Ölheizungrund 16,5 Centrund 18 Cent

Ist Heizen mit Strom also teurer als Heizen mit Gas? Mit einer Stromdirektheizung ja, eine Kilowattstunde Wärme kostet fast dreimal so viel. Mit einer Wärmepumpe ist es günstiger. Ein Beispiel: Ein Haus braucht 10.000 kWh Wärme im Jahr. Die Kosten für das Heizen liegen dann mit einer Stromdirektheizung bei rund 3.700 Euro, mit Heizöl bei rund 1.830 Euro, mit Gas bei rund 1.330 Euro und mit einer Wärmepumpe bei rund 880 Euro. Je besser ein Gebäude gedämmt ist, desto kleiner wird der Wärmebedarf und mit ihm der Abstand in Euro.

Bei den Anschaffungskosten ist es umgekehrt: Ein Infrarotpaneel mit 800 Watt kostet bei uns rund 300 bis 400 Euro, mehr dazu unter Infrarotheizung Preise. Die Betriebskosten beschränken sich auf den Strom, Wartung, Schornsteinfeger und Brennstofflager entfallen. Im Preis von Gas und Heizöl steckt 2026 außerdem ein CO2-Preis von 55 bis 65 Euro je Tonne für fossile Energie.

Wie viel kostet Heizen mit Strom im Monat?

Kosten und Stromverbrauch einer Elektroheizung berechnen Sie so: Leistung in Kilowatt mal Betriebsstunden mal Preis pro Kilowattstunde. Ein Wohnzimmer mit 20 Quadratmetern, mittlerer Dämmung und zwei Außenwänden braucht nach unseren Richtwerten rund 80 Watt je Quadratmeter, also 1.600 Watt, etwa zwei Paneele mit 800 Watt. Eine Stunde unter Volllast: Die Heizung verbraucht 1,6 kWh, das kostet bei 37 Cent pro Kilowattstunde rund 59 Cent. Nehmen wir an, das Thermostat lässt die Paneele im Winter auf fünf Volllaststunden am Tag kommen, dann sind es rund 3 Euro am Tag und rund 89 Euro im Monat. Im Herbst und Frühjahr liegt der Wert deutlich darunter, in schlecht gedämmten Räumen darüber.

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Welche Elektroheizung ist am sparsamsten?

Beim Wirkungsgrad unterscheiden sich Stromdirektheizungen kaum, jede wandelt den Strom fast vollständig in Wärme um. Über die Effizienz entscheidet deshalb der Betrieb: wie viel Wärme Sie wirklich brauchen und wie genau die Heizung sie liefert. Um Kosten zu sparen, kommt es auf vier Dinge an:

  • Die Heizung läuft nur dann und dort, wo Sie Wärme brauchen.
  • Ein Temperaturregler oder ein smartes Thermostat steuert sie.
  • Die Leistung passt zum Raum.
  • Der Raum ist gut gedämmt, und Sie stoßlüften statt das Fenster zu kippen, damit der Luftwechsel nicht unnötig Wärme kostet.

Infrarotheizungen arbeiten hier effizient: Sie wärmen schnell und erwärmen Flächen statt nur Luft. Weil Wände und Möbel wärmer sind, wirkt ein Raum schon bei etwas niedrigerer Lufttemperatur behaglich. Die günstigste Möglichkeit, ein ganzes Haus mit Strom zu heizen, bleibt die Wärmepumpe.

Heizen mit Solarstrom: Wann lohnt sich das?

Eine Kilowattstunde selbst erzeugter Strom kostet deutlich weniger als Strom aus dem Netz. Mit selbst produziertem Strom vom eigenen Dach lassen sich die Kosten für den Betrieb einer Elektroheizung also senken. Der Haken: Im Winter, wenn die meiste Wärme gebraucht wird, erzeugt die Anlage am wenigsten. Die Kombination mit einer Photovoltaikanlage funktioniert deshalb am besten in der Übergangszeit, tagsüber und mit einem Batteriespeicher. Im Dezember und Januar müssen Sie den benötigten Strom überwiegend aus dem Netz beziehen. Wer mit Solarstrom heizen will, steuert die Heizung so, dass sie vor allem läuft, wenn die Sonne scheint. Das spart Geld und verbessert die Nachhaltigkeit, weil der Anteil des eigenen Solarstroms steigt.

Ist Heizen mit Strom erlaubt?

Ja. Elektrische Heizungen dürfen betrieben werden, auch bestehende Nachtspeicherheizungen. Für den Einbau gilt seit Juli 2026 das Gebäudemodernisierungsgesetz, das das Gebäudeenergiegesetz abgelöst hat:

  • In einen Neubau mit Wohnungen darf eine Stromdirektheizung nur, wenn der bauliche Wärmeschutz die Anforderungen um mindestens 45 Prozent unterschreitet.
  • Bei der Nachrüstung in einem bestehenden Gebäude mit Wohnungen gilt dasselbe mit mindestens 30 Prozent.
  • Ausgenommen sind Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt.
  • Der Austausch einer bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizung ist im Bestand ebenfalls ausgenommen.

Als Stromdirektheizung gilt jedes Gerät, das Raumwärme über den elektrischen Widerstand erzeugt, auch mit Wärmespeicher. Wärmepumpen fallen nicht darunter. Wer eine Elektroheizung als Hauptheizung in einem Mehrfamilienhaus plant, sollte das vorab mit einem Energieberater klären. Eine Förderung wie für Wärmepumpen gibt es für Stromdirektheizungen nicht.

Vor- und Nachteile von Elektroheizungen

Vorteile:

  • niedrige Anschaffungskosten
  • einfache Montage, oft reicht eine Steckdose
  • kein Schornstein, keine Rohre, kein Brennstofflager, keine Wartung
  • Wärme kurz nach dem Einschalten, Raum für Raum regelbar
  • bei Infrarotheizungen angenehme Strahlungswärme und wenig Luftbewegung
  • im Betrieb keine Abgase, für die Umwelt zählt, ob der Strom aus erneuerbaren Energien oder aus fossilen Quellen stammt

Nachteile:

  • hohe Stromkosten, wenn viel Wärme gebraucht wird
  • als alleinige Heizung nur in gut gedämmten Gebäuden wirtschaftlich
  • Einbau in Gebäuden mit Wohnungen gesetzlich eingeschränkt
  • keine staatliche Förderung
  • Warmwasser braucht eine eigene Lösung, etwa einen Durchlauferhitzer oder Heißwasserbereiter

Mehr zu den Schwächen lesen Sie unter Infrarotheizung Nachteile.

Günstig heizen mit Strom: 5 Tipps

  1. Nur heizen, wo und wann Wärme gebraucht wird, ungenutzte Räume abschalten.
  2. Jede Heizung über ein Thermostat steuern, am besten mit Zeitprogramm.
  3. Die Leistung nach Watt pro Quadratmeter auslegen, nicht zu groß und nicht zu klein.
  4. Infrarotpaneele so montieren, dass sie die Aufenthaltsbereiche frei anstrahlen.
  5. Stromtarife vergleichen: Wer zu günstigem Strom wechselt oder Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage nutzt, kann die Kosten senken.

Achten Sie beim Kauf auf geprüfte Sicherheit, etwa ein TÜV-Zeichen, und auf einen Händler, der Sie berät und erreichbar bleibt.

Darstellung Stromkosten senken

Weitere Fragen zum Heizen mit Strom

Kann man in einer Mietwohnung mit Strom heizen?

Ja, als Zusatzheizung. Eine Infrarotheizung mit Steckdosenthermostat lässt sich ohne bauliche Änderung aufhängen oder auf Standfüßen aufstellen, etwa wenn die Zentralheizung im Herbst noch nicht läuft. Bohrungen für die Wandmontage sprechen Sie am besten mit dem Vermieter ab.

Kann man ein Einfamilienhaus ausschließlich mit Strom heizen?

Technisch ja, ein Haus elektrisch zu beheizen ist möglich. Wirtschaftlich ist eine Heizung mit Strom als alleinige Gebäudeheizung nur unter Bedingungen: Das Haus braucht eine sehr gute Dämmung, damit der Wärmebedarf niedrig bleibt, und eine Auslegung Raum für Raum. Für Warmwasser ist eine eigene Lösung nötig. Was das kostet, zeigt unsere Seite zu den Kosten einer Infrarotheizung.

Wie viel Watt pro Quadratmeter braucht eine Elektroheizung?

Für Infrarotheizungen rechnen wir bei 2,5 Meter Raumhöhe je nach Zahl der Außenwände mit 50 bis 80 Watt je Quadratmeter in Räumen mit sehr guter Dämmung, 70 bis 100 Watt bei mittlerer Dämmung und 90 bis 120 Watt in ungedämmten Räumen. Ein Paneel mit 800 Watt reicht bei mittlerer Dämmung also für rund 8 bis 11 Quadratmeter.

Fazit: Lohnt sich Heizen mit Strom?

Heizen mit Strom lohnt sich, wo wenig Wärme gebraucht oder nur zeitweise geheizt wird: im Neubau mit gutem Wärmeschutz, im Bad, im Arbeitszimmer, als Zusatzheizung in der Übergangszeit und zusammen mit Solarstrom. Dafür sind Infrarotheizungen und elektrische Fußbodenheizungen eine einfache, wartungsfreie Lösung. Wer ein ganzes, durchschnittlich gedämmtes Haus elektrisch beheizen will, fährt mit einer Wärmepumpe günstiger. Konvektoren und Öl-Radiatoren taugen als Notlösung.

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